Kulturelle und touristische Aufenthalte für Gruppen und Familien

Ernest Jouhy

Ernest Jouhy

Vorstellung des FIEF

Das FIEF, Institut der Studien zum Verständnis Frankreichs, wurde 1961 von Prof. Dr. Jouhy gegründet.
Bernard und Madeleine Martini, beide Germanisten, haben das Werk des Gründers ehrenamtlich bis 2002 weitergeführt. Dann übernahm Alain Corre die Leitung.

Die Geschichte vom FIEF

-Warum die Gründung des FIEF?
-Warum in La Bégude de Mazenc?
Der Gründer des FIEF Ernest JOUHY (1913-1988) hat diese Frage beantwortet, 20 Jahre nachdem  sie sich ihm selbst gestellt hatte.

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Ich muß mit meiner Biographie beginnen. Nicht, um mich wichtig zu tun, sondern um begreiflich zu machen, woher diese Idee und der Wille kamen, sie umzusetzen.

Ich habe meine Kindheit in Berlin verbracht, das war in den 20er Jahren. Die letzten Jahre im Gymnasium waren gezeichnet vom Hochkommen des Faschismus. Damals war ich Jünger von Marx und Alfred Adler und militierte in einer jüdischen Jugendorganisation der äußersten Linken gegen Rassismus, Chauvinismus und gegen den zynischen Haß des Humanismus.
1933 bin ich nach sieben Monaten Militantenlebens im Untergrund in Deutschland, das hitlerisch geworden war, zum französischen Zweig meiner Familie in Paris gegangen. Ich habe mein Studium der pädagogischen Psychologie an der Sorbonne abgeschlossen. Aber von 1933 bis zum Ende des Krieges habe ich den größten Teil meiner Energie und meiner Hoffnungen in den geistigen, politischen und bewaffneten Kampf gegen das Ungeheuer des blutigen Terrors des Faschismus investiert.

Bevor sie niedergerungen wurden, haben die deutschen Nazis fast meine ganze Familie ausgerottet, meine Freunde umgebracht, die Kinder deportiert, für die ich als Erzieher verantwortlich war. Und doch bin ich 1952 nach Deutschland zurückgekehrt, um in einer Pädagogengruppe mitzuarbeiten, die damals eine Schulgemeinschaft leitete, die an der Spitze des demokratischen Umbruchs in der jungen Bundesrepublik Deutschland war. Ich bin zurückgegangen, ich, der junge Franzose, weil ich überzeugt war, daß ich mein Leiden, meine politischen Erfahrungen und meine pädagogischen Fähigkeiten dieser heranwachsenden Jugend jenseits des Rheins schuldete, die durch 12 Jahre Barbarei verwundet und verdorben war.

Ich habe wieder in Deutschland Wurzeln geschlagen, weil ich der Meinung war, daß die wenigen Deutsch-Franzosen, die fähig waren, bei den jungen Deutschen das humanistische Erbe wieder lebendig zu machen, dafür vor ganz Europa die Verantwortung trugen. Sie hatten in dieser jungen Generation des "Deutschland des Jahres Null" den Gang der Ideen von Descartes bis Leibnitz und Kant, von Rousseau bis Goethe, von Condorcet bis Humboldt wieder lebendig werden lassen. Sie waren es Europa schuldig, daß bei der Jugend Perspektiven geweckt wurden, die sowohl die deutschen als auch die europäischen Giganten des Geistes von Hegel bis Marx, von Schiller und Heine bis Brecht und Böll, von Freud und Adler bis Adorno und Bloch inspiriert hatten. Ich habe mich über die Vorbehalte so vieler Freunde aus der Résistance gegen meine Rückkehr nach Deutschland hinweggesetzt. Es mußte in der Erziehung und in der Unterrichtung die Botschaft von 1789 und der Schrecken der Lager des Holocausts, die Hymne an die Freude von Schiller, die Musik von Beethoven Gestalt annehmen und die Niedrigkeit eines Goebbels und das Gebrüll der SS in Erinnerung gebracht werden.

So bin ich nach Deutschland gegangen mit dem Willen, Frankreich mitzunehmen, und habe mich im Odenwald niedergelassen und gleichzeitig das Foyer in La Bégude gegründet. Das französische Haus, das noch zu gründen war, sollte in meinen Augen ein Zentrum zur Bildung der Jugend und zur Weiterbildung der Lehrer werden. Seine geographische Lage und seine Methoden sollten die sartresche Wahrheit zeigen, daß "die Existenz der Essenz vorausgeht". Es sollte die fruchtbaren Widersprüche des Werdens spürbar machen, die übereinandergelagerten Schichten der Geschichte, die Harmonie und die Gegensätzlichkeit der Natur und der Kultur, des Einzelnen und der Gesellschaft. Es sollte in einer Gegend liegen, wo das unermeßliche Erbe Frankreichs und Europas zu den Lehrern und zu den jungen Deutschen sprechen konnte, ohne Handbuch und Büffelei, an einem Ort, wo die Freude, dazusein, dem Bedürfnis zu lernen vorausgeht, und wo das Erleben des Augenblicks Mut macht, die Zukunft zu planen.

Vom ersten Kontakt mit dem "alten Dorf von Châteauneuf" an war ich überzeugt, daß La Bégude diese Bedingungen erfüllte. Die Résistance hatte mich mit der Region Rhône-Alpes verbunden; die UNESCO-Lehrgänge für Erzieher von Kindern, die Opfer des Krieges geworden waren, hatte mich zur Schule Beauvallon, also nach Dieulefit, geführt, und deren bewundernswerte Leiterinnen hatten mich Châteauneuf-de-Mazenc entdecken lassen. Als ich mich 1948 zum ersten Male auf diesem Hügel befand, wo der Blick zugleich die Weite und ihre Grenzen erfasst, wo die Landschaft determiniert ist wie der lateinische Geist, habe ich davon geträumt, dass sich dieses alte Lehnsgut der Herren und Sklaven verwandelt in ein FIEF, in ein Lehen, ohne Vorurteile, ohne einen anderen Herrn als den Geist des Verstehens und der Toleranz, wo der Internationalist seine Heimstatt findet, die fremde Jugend ihr eigenes Zuhause.

Ich habe von diesem Werk geträumt wie ein Verliebter, von einer gewissen Lebensqualität, und wie ein Erzieher, der sein Werkzeug sucht. Die Qualitäten des Lebens und die pädagogischen Qualitäten der Drôme haben mich auf immer mit diesem Werk verbunden. Denn hier in dieser Landschaft des Lichtes und der Kultur fühlt man sich mit der Geschichte und der Gegenwart Frankreichs und Europas verbunden.

Mittelmeerisch und alpin, trocken und fruchtbar, gallisch und römisch, provenzalisch und französisch, katholisch und 'parpaillot' (protestantisch), diszipliniert und aufmüpfig, ernst und lachend, dies Land verkörpert die französische Gegensätzlichkeit, die gleichzeitig die Liebe, die Bewunderung und den kritischen Geist und den Willen zur Veränderung hervorbringt. Die alte romanische Kirche und das Haus der Templer in Châteauneuf eine halbe Stunde vom Atomkraftwerk entfernt, sein mittelalterlicher Wachtturm und der düstere Bergfried der absolutistischen Unterdrückung in Crest in kurzer Entfernung von den Spuren der Résistance im Hof des FIEF und den Spuren des Terrors und der Befreiung im Bergmassiv des Vercors, das ist es, was den Teilnehmer Wurzeln schlagen lässt in der Vergangenheit und ihn befreit, um weiterzumachen und zu innovieren. Dort also geht die geographische, historische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Existenz voraus und lässt die Essenz der Ideen und der Meinungen ahnen, die sich hier begegnen und verschmelzen.

Es ist ein "Überlebender" einer schuldigen und geopferten Generation in Frankreich wie in Deutschland, der Freunde gefunden hat, die seine Hoffnungen und seine Mühen für die Gründung des FIEF teilen wollten. Es sind junge Leute unter ihnen wie Bernard und Madeleine Martini, die 20 Jahre nach den schwierigen Anfängen das gemeinsame Werk weiterführen, umwandeln und erweitern im Sinne des Jean Jaurès, dieses Apostels des humanistischen Sozialismus und des Friedens: "Der Fluss strebt zwar zum Meer, aber er bleibt seiner Quelle treu".

Ernest JOUHY, juni 1981

FIEF - Foyer International d’Etudes Françaises - 245, Grande Rue - Châteauneuf de Mazenc - 26160 La Bégude de Mazenc - France
Tel: +33 (0) 4 75 46 21 48 - Email: info@fieflabegude.com - www.fieflabegude.com - Google+ - Facebook

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